Marsisch

Was versteht Eric Berne unter „marsisch“? Leonhard Schlegel aus der Zeitschrift für Transaktionsanalyse, Ausgabe 2.1987 S.58-65

Artikel über marsisches Denken

Eric Berne diskutiert nach Schlegel 1962 zum ersten Mal den Begriff marsisch in einem Seminar mit den Teilnehmern. Die Gruppe definierte wie folgt:

Die marsische Art, etwas anzupacken, verzichtet auf Banalität zugunsten von sinnvoller Zweckmäßigkeit (Rationalität) und auf Rituale zugunsten von Wesentlichkeit (Relevancy).

Was bei diesem Vorgehen als marsisch bezeichnet werden kann,

ist das wie, nicht der Inhalt sondern der Prozess.

1966: Ein Marsmensch nimmt an einer gruppenteherapeutischen Sitzung teil… Daraus entsteht diese Definition: Die naivste mögliche Haltung zur Beobachtung irdischen Geschehens, wobei die forensische Einstellung des Beobachters durch keine Art von Voreingenommenheit abgelegt wird. 

Schlegel fiel auf, dass der Begriff marsisch im Laufe der Zeit eine Entwicklung und Veränderung durch gemacht hat, findet aber einen roten Faden beider Definitionen: Unvoreingenommenheit.

1972 taucht der Begriff im Hello-Buch an vielen Stellen wieder auf, wieder mit unterschiedlicher Bedeutung, in Bezug auf Skript, Spiele/ Märchen, Rackets, marsische Auffassung des Kleinkindes und Autonomie

Ein Beispiel daraus:

In einer Therapiegruppe reagieren die Teilnehmer betreten und ärgerlich, als sie nachträglich erfahren, dass einer unter ihnen an einer unheilbaren Krankheit leidet, die ihm nur noch eine begrenzte Zeit zu leben lässt.

Berne als Gruppenleiter ergreift die Gelegenheit den Teilnehmern nahe zubringen , wie viel wesentlicher es sei, wie gelebt werde als wie lange gelebt werde.

 

In marsischer Sprache heiße das „Leben „die Bäume zu sehen, die Vögel singen zu hören, auf echte Art „Hello“ zu sagen und ohne viel Aufhebens davon zu machen, spontan zu sein.

Fazit von L. Schlegel über den Begriff marsisches Denken:

1.)  Unter marsisch kann  die Haltung eines Beobachters verstanden werden, der unvoreingenommen ist, auch unkonventionelle Schlussfolgerungen zieht und Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen wagt

2.)   eine bestimmte Lebensauffassung, wenn wir nach Art eines unverdorbenen Kindes wahrnehmen.

3.)   eine Verständnisweise des Kleinkindes gegenüber Äußerungen seiner Eltern , wenn es heraushört was diese wirklich meinen  und wenn es herausfindet wie es seinen Bedürfnissen gerecht wird ohne Gebote/ Verbote der Eltern zu verletzen.( Kleiner Professor).

 

Simone Genzwürker

Gefällt Ihnen? Dann schauen Sie wieder herein, demnächst folgen Praxisbeispiele nach diesem theoretischen Einstieg.

 

 

 

 

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